Er hat zum modernen Verständnis des Universums beigetragen und unsere Vorstellungen über Phänomene wie schwarze Löcher revolutioniert. Er hat Dutzende wissenschaftliche Preise gewonnen, wurde in die Royal Society aufgenommen, von Queen Elizabeth II. zum Commander of the British Empire und zum Companion of Honour ernannt. Sein Buch „Eine kurze Geschichte der Zeit“ wurde über zehn Millionen Mal verkauft.

Er hat dies alles erreicht, obwohl er an der unheilbaren Krankheit ALS leidet, aufgrund derer er inzwischen schon fast vollständig gelähmt ist, nicht mehr sprechen kann und unfähig ist, seinen Kopf zu heben. Er wiegt nicht mehr als 45 Kilogramm und muss sich mithilfe eines Sprachcomputers verständlich machen, den er mit den Fingerspitzen bedient. Trotzdem gilt er als äußerst willensstarker Mensch und lässt sich durch nichts bremsen.

Die „Eiswelle“ überflutet die Welt

Die Krankheit ALS wurde im letzten Jahr weltweit durch die Ice Bucket Challenge bekannt. Ein Eimer kaltes Wasser, ein spitzer Schrei, drei Nominierungen – Tausende stellten sich für einen guten Zweck der Herausforderung. Mehrere Millionen Euro wurden weltweit für die Erforschung der seltenen Erkrankung gesammelt.

ALS und ihre Folgen

ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) ist eine Erkrankung, die Nervenzellen im Gehirn und im Rückenmark angreift. Langfristig sterben die Zellen ab, die elektrische Impulse vom Gehirn in die Muskeln leiten. Die Erkrankten verlieren die Kontrolle über ihre Muskeln, es kommt zu spastischen Lähmungen. Da die Muskeln keine Befehle mehr erhalten, schwinden sie langsam, die Gliedmaßen von Betroffenen werden immer dünner.

In den USA leben etwa 30.000 Personen mit ALS, in Deutschland zwischen 6.000 und 7.000. Die Krankheit setzt meist zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr ein. Was sie auslöst, ist unklar; vermutlich spielen genetische Faktoren eine Rolle. So wird bei 20 Prozent aller familiär gehäuften ALS-Fälle ein Gendefekt auf dem 21. Chromosom beobachtet. Zusätzlich könnten Umwelteinflüsse das Risiko für die Erkrankung erhöhen.

Die Krankheit verläuft aggressiv, die Lebenserwartung nach der Diagnose ist gering, Betroffene sterben meistens innerhalb weniger Jahre.

Und auch wenn Physiker Stephen Hawking so manches Rätsel des Universums entschlüsselt hat, bleibt eines: wie er es schafft, mit einer so schweren, einschränkenden Krankheit so lange zu überleben. Mit 21 Jahren wurde bei ihm Amyotrophe Lateralsklerose erkannt. Heute ist er 73 Jahre alt.

Forschung für das Leben

Nur knapp zehn Prozent der ALS-Patienten leben länger als ein Jahrzehnt nach der Diagnose. Wer in jungen Jahren erkrankt, wie Hawking, hat jedoch häufig eine bessere Chance. Aus bisher unbekannten Gründen schreitet die Krankheit bei Stephen Hawking langsamer voran als bei anderen ALS-Erkrankten. 2012 untersuchten Wissenschaftler des ALS-Forschungszentrums am Londoner Kings College DNA-Proben des Physikers und anderer Betroffener.

Sie wollten herausfinden, ob es bei Hawking Besonderheiten oder genetische Veränderungen gibt, die das Phänomen erklären könnten, und ob mit den Erkenntnissen anderen Kranken geholfen werden könnte. Leider blieb dieser Versuch ohne hilfreiche Ergebnisse für die Forschung.

ALS ist seit über 100 Jahren bekannt und bis heute ist kein Mittel gegen die tödlich verlaufende Krankheit gefunden. Umso wichtiger ist es, dass die Forschung nicht aufgibt und weitersucht. Dafür setzt sich auch der Ausnahmemensch Stephen Hawking ein, denn erst wenn ALS endlich geheilt werden kann, kann die „Challenge“ für beendet erklärt werden.


Nachruf

Stephen Hawking gilt als einer der größten Astrophysiker und Geistesgiganten der vergangenen Jahrzehnte. Am 14. März 2018 verstarb der Brite im Alter von 76 Jahren an der seltenen Erkrankung Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). Da Menschen nach dieser Diagnose durchschnittlich nur noch eine  Lebenserwartung von drei bis fünf Jahren haben und Hawking 50 Jahre mit der Krankheit lebte, zeigt einmal mehr, dass er die Welt in vielerlei Hinsicht erstaunt hat. Traditionell ehren Mathematiker am 14. März die Kreiszahl PI – Ein Zusammentreffen zweier Ereignisse, das Hawking vermutlich gefallen hätte.