Nur die rechtzeitige Diagnose und Therapie eröffnet ihnen die Chance auf ein möglichst normales Leben. Menschen, die von einem Harnstoffzyklusdefekt (UCD = Urea Cycle Defect) betroffen sind, leiden an einer angeborenen, schwerwiegenden und potenziell lebensbedrohlichen Stoffwechselerkrankung der Leber.

Die Erkrankung geht mit einem gestörten Eiweißabbau einher. Durch den Mangel bestimmter Enzyme wird das toxische Zwischenprodukt Ammoniak nicht mehr ausreichend zu Harnstoff umgewandelt.  Dabei reichert sich das stickstoffhaltige Stoffwechselgift Ammoniak im Blut und Gewebe der Betroffenen an und verursacht vor allem Hirn- und Nervenschädigungen, die häufig zum Tod führen.

Wichtige Enzymdefekte des Harnstoffzyklus

Bis heute sind sechs genetisch bedingte Enzymdefekte des Harnstoffzyklus bekannt, die alle zu einer Hyperammonämie führen:

  • Carbamylphosphat-Synthetase(CPS)-1-Mangel
  • Ornithin-Transcarbamylase(OTC)-Mangel
  • Argininosuccinat-Synthetase(ASS)-Mangel (Citrullinämie Typ 1)
  • Argininosuccinat-Lyase(ASL)-Mangel (Argininbernsteinsäure-Krankheit)
  • Arginase-1-Mangel (Hyperargininämie)
  • N-Acetylglutamat-Synthetase(NAGS)-Mangel

Ursachen der Enzymdefekte

Harnstoffzyklusdefekte sind genetisch bedingt und damit erblich. Jeder einzelne Harnstoffzyklusdefekt beruht auf einer genetischen Mutation. Die Mutationen führen dazu, dass das entsprechende Enzym des Harnstoffzyklus nicht oder fehlerhaft in der Leber gebildet wird.

Therapie des Harnstoffzyklusdefekts Akuttherapie

Der Harnstoffzyklusdefekt ist durch wiederkehrende schwerste Stoffwechselentgleisungen gekennzeichnet, bei denen hohe Ammoniakspiegel im Blut auftreten. Wegen der hierbei eintretenden Hirnschädigungen müssen die Kinder intensivmedizinisch behandelt werden.

Ziel ist, die toxischen Ammoniakspiegel rasch zu senken. Dies gelingt durch:

  • Blutwäsche (Dialyse) 
  • sofortiger Stopp der Eiweißzufuhr
  • Medikamentöse Reduktion des Ammoniak-Blutspiegels

Langzeittherapie 

Routinebehandlung eines Harnstoffzyklusdefektes sind strikte diätetische und medikamentöse Maßnahmen, die möglichst lebenslang durchgeführt werden und von den Patienten beziehungsweise ihren Eltern ein hohes Maß an Disziplin erfordern. Die einzige kurative Therapie ist die Leberorgantransplantation, die jedoch in der Neugeborenenphase kaum möglich ist.

Leberzelltherapie 

Schwer kranken Säuglingen drohen lebensbedrohliche Ammoniakspitzen. Die Leberzelltherapie stellt eine neue Behandlungsoption dar. Hierbei werden gesunde menschliche Leberzellen über einen Katheter in die Leber eingebracht. Nach Ansiedelung in der Leber soll die Funktion der enzymdefizienten Leberzellen übernommen werden.

Derzeit wird die Leberzelltherapie in Deutschland, in den USA und in Kanada im Rahmen der SELICA-Studien bei Harnstoffzyklusdefekten bei Neugeborenen oder Kindern bis fünf Jahren eingesetzt, mit dem Ziel, die Effizienz sowie die Sicherheit der Leberzellsubstitutionstherapie weiter zu bestätigen. Die Leberzellsuspensionen sind als Arzneimittel reguliert, was einen hohen Sicherheitsstandard gewährleistet.