Ursache der Erkrankung

Ein gesunder, fester Knochen besteht aus einer Knochengrundsubstanz, dem Kollagen, sowie den Mineralstoffen Calcium und Phosphat. Fehlt eine dieser Komponenten, sind die Knochen weicher und es kommt zu Verbiegungen der gewichtstragenden Gliedmaßen.

Bei Phosphatdiabetes kommt es zu einer vermehrten Bildung des Fibroblasten Wachstumsfaktors 23 (FGF23), einem Hormon, das in den Knochenzellen gebildet wird und hauptsächlich den Phosphat-Haushalt reguliert. Durch die Mutation eines Gens ist die Phosphat-Wiederaufnahme in den Organismus an der Niere gestört. Es kommt zu einer überproportional starken Ausscheidung von Phosphat über die Niere in den Urin.

Patienten mit dieser Mutation sind nicht in der Lage, normale Phosphatspiegel im Blut aufrecht zu erhalten. Der chronische Verlust von Phosphat führt zu einer schlechten Mineralisierung des Knochens. Dieser ist weich und bedingt die typischen Symptome: Verminderte Körpergröße, Verformungen der unteren Extremitäten, Watschelgang und Knochen- sowie Gelenkschmerzen.

Diagnose

Die Erkrankung macht sich meist mit dem Beginn des Laufens das erste Mal bemerkbar. Ein breitbeiniger, watscheliger Gang, verspätetes Laufen und eine verminderte Körpergröße, sowie eine zunehmende Verbiegung der unteren Extremitäten können erste Anzeichen einer gestörten Knochenmineralisierung sein. Um der Ursache der Symptome auf den Grund zu gehen, erscheint eine Blutuntersuchung sinnvoll. In dieser Untersuchung ist zunächst ein Vitamin-D-Mangel auszuschließen. Dieser kommt sehr viel häufiger als ein Phosphatdiabetes vor und kann ebenfalls Ursache einer X- oder O-Beinstellung im Kleinkindesalter sein.

Nach Ausschluss eines Vitamin-D-Mangels können Parameter wie der Serum-Phosphat-Wert und die Alkalische Phosphatase zu einer Diagnose verhelfen: Zeigt sich ein erniedrigter Serum-Phosphat-Wert und ist die Alkalische Phosphatas erhöht, sollte der Patient zu einem Spezialisten für Hormonstörungen oder Nierenerkrankungen weiterverwiesen werden. Diese können durch weitere Laboruntersuchungen den Verdacht auf Phosphatdiabetes entkräften oder bestätigen.

Therapie

Für die Therapie ist es notwendig, dem Körper wieder Phosphat zuzuführen. Im Säuglings- und Kindesalter erfolgt dies meist über die mehrmals tägliche Gabe einer Phosphat-Lösung, im Schulalter erfolgt die Phosphatgabe dann auch mittels Kapseln. Ergänzt wird diese Behandlung durch die Einnahme von aktivem Vitamin D in Form von Kapseln oder Tropfen. Mit diesem Ansatz wird versucht, Phosphat über den Darm in den Körper einzuschleusen.

Im Idealfall gelingt es auf diesem Weg so viel Phosphat in das Skelettsystem zu transportieren, dass der Knochen gut mineralisiert, stabil und belastbar wird. Wird die Diagnose rechtzeitig gestellt und frühzeitig mit der Therapie begonnen, kann sich die Knochenverbiegung nach drei bis vier Jahren zurückbilden. Das Risiko, dass orthopädische Operationen erforderlich werden, sinkt.

Neuer Therapieansatz

Vor circa zehn Jahren ist es einer japanischen Arbeitsgruppe gelungen, einen Antikörper gegen das vermehrt durch den Gendefekt gebildete FGF23 Hormon zu entwickeln, welches für den Phosphatverlust verantwortlich ist. Die Therapie sieht die subkutane Injektion des Antikörpers alle zwei Wochen durch eine medizinische Fachkraft vor. Diese Therapie erfolgt anstelle der konventionellen Therapie mit Phosphat und aktivem Vitamin D. Seit April 2018 ist diese Therapieform auch in Deutschland zugelassen.