Die akute myeloische Leukämie ist jedoch eine typische Erkrankung älterer Menschen, während die chronisch myeloische Leukämie jede Altersgruppe treffen kann.

AML und CML sind seltene Blutkrebserkrankungen. Wie oft werden sie diagnostiziert?

Die akute myeloische Leukämie (AML) ist mit jährlich 3,7 Neudiagnosen pro 100.000 Einwohner zwar eine seltene Erkrankung, aber die häufigste Form einer akuten Leukämie in Deutschland. Bei der AML entarten frühe Vorstufen einer myeloischen Zelle unkontrolliert.

Zu den myeloischen Zellen gehören die roten Blutkörperchen, Blutplättchen und ein Teil der weißen Blutkörperchen. Bei der chronisch myeloischen Leukämie (CML) sind hingegen die weißen Blutkörperchen, sogenannte Leukozyten, betroffen.

Bei der Diagnose werden nicht selten bis zu 500.000 Leukozyten pro Mikroliter Blut gemessen – zum Vergleich: bei Gesunden liegt der Wert zwischen 4.000 und 10.000 Zellen. Die massive Bildung weißer Blutkörperchen kann in der Folge verschiedene Komplikationen verursachen, wie beispielsweise Blutgerinnsel oder Gefäßverschlüsse.

Pro 100.000 Einwohner werden ein bis zwei Neuerkrankungen pro Jahr diagnostiziert. Grundsätzlich ist festzustellen, dass es bei den Leukämien eine große Varianz von Erkrankungen gibt, die im Einzelnen bei der Behandlung und Wahl der Therapie zu berücksichtigen sind.

Stiftungen sind aus unserer heutigen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken.

Sind anteilig eher jüngere oder eher ältere Menschen betroffen?

Die AML ist typischerweise eine Erkrankung des älteren Menschen. Etwa die Hälfte der Betroffenen ist über 70 Jahre alt. Die CML kann alle Altersgruppen betreffen, die meisten Neuerkrankungen treten aber bei Erwachsenen zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr auf. Männer erkranken etwas häufiger als Frauen.

Warum ist Stiftungsarbeit so wichtig für, um AML und CML eines Tages heilbar zu machen?

Je nach ihren Möglichkeiten und ihrer Expertise kann eine Stiftung im Vergleich zur staatlichen Grundförderung vergleichsweise unkompliziert Forschungsvorhaben und Infrastrukturmaßnahmen zur Verbesserung der Patientenversorgung finanzieren.

Darüber hinaus kann eine Stiftung auch selbstständig Themen in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken, beispielsweise durch Ausschreibung von Forschungsmitteln zu einer spezifischen Fragestellung. Das halte ich für ein wichtiges Instrument, denken Sie allein an ansonsten gegebenenfalls unerforschte Fragestellungen.

Gerade bei seltenen Erkrankungen werden häufig aufgrund des niedrigen Marktpotentials für einen potentiellen neuen Wirkstoff nur sehr beschränkt Forschungsmittel von der pharmazeutischen Industrie investiert. Stiftungen sind aus unserer Gesellschaft heute nicht mehr wegzudenken.

Sie ergänzen andere Programme und leisten einen wichtigen Beitrag als Ideengeber, wie auch Förderer von Innovation in der Forschungslandschaft, der medizinischen Infrastruktur und Unterstützung von jungen Nachwuchstalenten, insbesondere wenn andere Förderinstrumente nicht greifen oder Fördertöpfe leer sind.   

Gibt es darüber hinaus Möglichkeiten, erkrankte Patienten zu unterstützen?

Die Optionen sind vielfältig und jeder einzelne Baustein ist wichtig. Neben medizinischem Fortschritt und der Optimierung von Diagnostik- und Therapieeinrichtungen geht es aber auch um die unmittelbare Verbesserung des Patientenumfeldes für die Betroffenen und ihre Angehörigen.

Gute Beispiele sind hier die Finanzierung von Angehörigenwohnungen für die oft monatelang auf einer Isolierstation lebenden Patienten, die Bezuschussung von Elterninitiativen und Selbsthilfegruppen sowie Sozialprojekte in der Rehabilitation wie das Philipp Lahm Sommercamp für leukämiekranke Kinder.