Ein Gespräch mit Prof. Dr. Andreas Engert vom Universitätsklinikum Köln über die seltene Krebserkrankung Hodgkin-Lymphom.

Als Leiter der Deutschen Hodgkin Studiengruppe setzen Sie sich seit Jahren für eine verbesserte Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Patienten mit Hodgkin-Lymphom ein. Können Sie uns kurz erklären, worum es sich bei dieser Erkrankung handelt und wie sie sich äußert?

Es ist eine Krebserkrankung, die im Vergleich zu anderen Krebsarten sehr selten auftritt. Wichtigstes Anzeichen sind schmerzlos geschwollene, langsam wachsende Lymphknoten. Sie treten häufig im Bereich von Hals oder Nacken auf.

Das Hodgkin-Lymphom kann sich im weiteren Verlauf außerdem auf nicht-lymphatische Organe ausbreiten, zum Beispiel auf die Leber oder auf die Knochen. Die genaue Ursache ist noch ungeklärt. Wir vermuten, dass mehrere Faktoren für die Entstehung verantwortlich sind, zum Beispiel eine Immunschwäche, Viruserkrankungen, aber auch eine genetische Vorbelastung.

„Es ist eine Krebserkrankung, die vor allem junge Patienten betrifft.“

Gibt es eine bestimmte Gruppe von Menschen, die besonders häufig betroffen ist?

Es ist eine Krebserkrankung, die vor allem junge Patienten betrifft und daher eine der häufigsten Krebserkrankungen von jungen Erwachsenen. Der durchschnittliche Patient ist 32 Jahre alt. Auch Kinder können bereits darunter leiden. Generell gibt es circa 2.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Das ist noch nicht ganz exotisch, aber dennoch selten genug.

Wie kann die Erkrankung derzeit behandelt werden?

Wie andere Krankheiten wird auch das Hodgkin-Lymphom in verschiedene Stadien eingeteilt. Es gibt die Risikogruppen mit früheren, mittleren und fortgeschrittenen Stadien. Es hängt davon ab, wie weit die Krankheit im Körper fortgeschritten ist. Sind zum Beispiel nur ein oder zwei Lymphknoten befallen oder bereits auch Leber, Lunge und Milz.

Die Therapie richtet sich nach dem Ausbreitungsgrad. In der Regel behandelt der Arzt mit einer Chemotherapie, oft in Kombination mit einer Bestrahlung. Ziel ist immer, das befallene Gewebe zu zerstören.

Es gibt jedoch zwei gute Nachrichten. Die Prognose von Hodgkin-Lymphom ist oft günstig. Es ist die mit am besten heilbare Krebserkrankung überhaupt. Die Zahlen liegen bei rund 80 Prozent der Patienten, die geheilt werden können. Außerdem gibt es inzwischen viele neue Medikamente. Sie führen uns weg von Chemo- und Strahlentherapie und hin zu einer zielgerichteten und besser verträglichen medikamentösen Behandlung.

Wir hoffen, in fünf bis zehn Jahren immer stärker auf Medikamente setzen zu können, die dasselbe oder sogar ein besseres Ergebnis erzielen. Diese Entwicklung verläuft natürlich nicht von heute auf morgen. Die neuen Medikamente müssen während der Behandlung wohldosiert werden.

Was ist besonders bei der Nachsorge wichtig?

Patienten müssen über Jahrzehnte nachbetreut werden. Da oft Spätbeschwerden in Folge der Behandlung auftreten können, z.B. Bluthochdruck oder im schlimmsten Fall eine andere Krebserkrankung. Hier sollte man aber keine Panik verbreiten. Es reicht, wenn sich der Patient einmal im Jahr untersuchen lässt.

Nochmals zurück zu Ihrer Forschungstätigkeit: Wo liegen die derzeitigen Schwerpunkte der Hodgkin Studiengruppe?

Die Deutsche Hodgkins-Studie gibt es seit mehr als 30 Jahren und teilgenommen haben bisher 20.000 Patienten. Sie ist damit die Größte der Welt. Es beteiligen sich Patienten aus Deutschland, aber auch aus vier anderen europäischen Ländern.

Mit Hilfe von kontrollierten klinischen Studien wollen wir generell die Therapie verbessern. Erfreulicherweise gibt es eine hohe Akzeptanz. Viele Patienten machen mit, weil sie natürlich auch von den 20.000 Teilnehmern davor profitiert haben.

Weitere Informationen unter: www.ghsg.org