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Home » Forschung » Myasthenia gravis: Warum frühe Diagnose und kontinuierliche Krankheitskontrolle entscheidend sind
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Myasthenia gravis (MG) ist eine seltene, chronisch-autoimmune neuromuskuläre Erkrankung, die durch eine gestörte Signalübertragung an der neuromuskulären Endplatte gekennzeichnet ist. Klinisch manifestiert sie sich durch belastungsabhängige, fluktuierende Muskelschwäche, die sich unter Ruhe bessert. MG ist grundsätzlich gut behandelbar – je früher gestartet wird, desto besser. Allerdings bleibt MG oft wegen unspezifischer Frühsymptome unauffällig und wird verzögert diagnostiziert. Was ist wichtig zu wissen?

Klinische Verlaufsformen und Symptomatik

Charakteristisch für die Myasthenia gravis ist eine Störung der Signalübertragung zwischen Nerven und Muskeln. Dadurch nimmt die Muskelkraft bei wiederholter Aktivierung der Nerven ab, was sich vor allem unter körperlicher Belastung bemerkbar macht. Betroffen ist ausschließlich die willkürlich steuerbare Muskulatur.

Signalübertragung an der motorischen Endpalette

Gestörte Signalübertragung bei Myasthenia gravis

In der Regel beginnt die Krankheit bei den Augenmuskeln, der so genannten okulären Muskulatur. Bei etwa 85 % äußern sich die ersten Symptome in diesem Bereich, beispielweise durch herabhängende Augenlider (Ptosis) oder das Sehen von Doppeltbildern (Diplopie); man spricht von okulärer MG. Bei den meisten Betroffenen breitet sich die Erkrankung innerhalb der ersten zwei Jahre auf weitere Muskelgruppen aus. Typische Symptome dieser sogenannten generalisierten Myasthenia gravis sind Sprech- und Schluckstörungen, eine Muskelschwäche vor allem in den körpernahen Abschnitten der Arme und Beine, eine verminderte Haltekraft der Nackenmuskulatur sowie eine eingeschränkte Funktion der Atemmuskulatur. Die myasthene Krise stellt eine potenziell lebensbedrohliche Komplikation dar, wenn Atem- und/oder Schluckmuskulatur schwer betroffen sind.

Symptomfluktuation hat Auswirkungen auf die Lebensqualität

Ein zentrales Merkmal der MG ist die ausgeprägte Symptomfluktuation. Die Muskelkraft nimmt unter Belastung und im Tagesverlauf ab, während sie sich nach Ruhephasen wieder erholt. Diese Variabilität erschwert sowohl die klinische Beurteilung als auch die Therapieevaluation. Für Betroffene bedeutet dies eine erheblich eingeschränkte Lebensqualität, verbunden mit psychosozialen Belastungen, erhöhter Fatigue, Angststörungen und depressiven Symptomen.

Pathophysiologie und immunologische Subtypen

Pathophysiologisch handelt es sich um eine antikörpervermittelte Autoimmunerkrankung. In etwa 80–85 % der Fälle lassen sich Autoantikörper gegen den Acetylcholinrezeptor (AChR) nachweisen. Weitere Subtypen sind durch Antikörper gegen MuSK (muscle-specific kinase), LRP4 oder Agrin (beides Proteine) gekennzeichnet, die sich klinisch, immunologisch und therapeutisch unterscheiden. Die Antikörper führen zu einer verminderten Anzahl funktionsfähiger Rezeptoren und strukturellen Veränderungen der postsynaptischen Membran.

Diagnostische Verfahren und Rolle des Thymus

Die Diagnostik basiert auf der klinischen Symptomatik, dem serologischen Antikörpernachweis, elektrophysiologischen Untersuchungen sowie bildgebender Diagnostik zur Beurteilung des Thymus. Thymome oder thymische Hyperplasien spielen eine wichtige pathogenetische Rolle. Ist die Thymusdrüse vergrößert, wird empfohlen, diese zu entfernen.

Therapeutische Strategien und neue Behandlungsansätze

Therapeutisch hat sich das Management der MG in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt. Laut aktueller Leitlinie zur Diagnostik und Therapie myasthener Syndrome besteht das Therapieziel in der bestmöglichen Krankheitskontrolle und der Wiederherstellung bzw. dem Erhalt der Lebensqualität. Mittlerweile ist die MG meist gut behandelbar und es besteht eine gute Chance auf eine kontinuierliche Krankheitskontrolle.

Die Behandlung orientiert sich an der Krankheitsaktivität und zunehmend auch am Antikörperstatus. Neben der symptomatischen Behandlung, meist mit Acetylcholinesterasehemmern, werden in der Regel verlaufsmodulierende Immunsuppressiva eingesetzt. Bei der generalisierten MG können zusätzlich zielgerichtete Therapien zum Einsatz kommen, die gezielt in die Krankheitsmechanismen eingreifen. Zwei moderne Wirkstoffklassen sind die Inhibitoren der neonatalen FcRn-Rezeptoren (FcRn) sowie Komplementsystem-Inhibitoren. Die Wirkstoffe greifen ganz spezifisch in das Immunsystem ein und unterdrücken die Produktion bestimmter Autoantikörper bei MG. In Folge werden weniger Muskelrezeptoren blockiert und die Signalübertragung wird verbessert.

Auch in der pädiatrischen und jugendlichen MG stehen mittlerweile evidenzbasierte Therapieoptionen zur Verfügung. Insgesamt verschiebt sich der therapeutische Fokus zunehmend von der reinen Symptombehandlung hin zu einem proaktiven, langfristig angelegten Krankheitsmanagement, das funktionelle Stabilität, Teilhabe und Lebensqualität gleichermaßen berücksichtigt.

Epidemiologie und Altersverteilung

In Deutschland sind schätzungsweise 20.000 bis 24.000 Menschen betroffen. Die Erkrankung zeigt eine bimodale Altersverteilung mit einer Häufung bei Frauen zwischen 30 und 50 Jahren und Männern zwischen 60 und 89 Jahren, kann jedoch grundsätzlich in jedem Lebensalter auftreten – auch bei Kindern und Jugendlichen.

Weitere medizinische Informationen zum Krankheitsbild, zur Diagnose und zu Therapieoptionen:

Mit freundlicher Unterstützung der Janssen-Cilag GmbH, a Johnson & Johnson company (EM-197689)

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