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Das Diffuse in der Diagnose

Foto: angellodeco via Shutterstock

Zerebrotendinöse Xanthomatose – diese Krankheit klingt nicht nur kompliziert, sie ist zu allem Überfluss selten und schwerwiegend. Patienten, die unter dieser Stoffwechselkrankheit, kurz CTX, leiden, haben eine erbliche Störung, eine Mutation des Gens CYP27A1. Ein Gespräch mit Dr. Zoltan Lukacs, Leiter des Stoffwechsellabors / Neugeborenenscreening an einem Universitätsklinikum, über diffuse Symptome der CTX für eine klare Diagnose, aber auch

Dr. rer. nat. Zoltan Lukacs 

Laborleiter des Stoffwechsellabors / Neugeborenenscreening eines Universitätsklinikums 

Die CTX kann schon früh bei Kindern auftreten. Wie lange dauert es durchschnittlich bis zur Diagnose, und welche Symptome sind relevant?

Im Schnitt wird CTX erst 19 Jahre nach Auftreten der ersten Symptome diagnostiziert.

Und erschwerend kommt hinzu, dass die Symptome diffus sind. Viele Betroffene haben nicht selten eine Ärzteodyssee hinter sich. Bei CTX kann der Körper Cholesterin nicht in Gallensäure umwandeln. Auch das Fett Cholestanol lagert sich dabei vermehrt im Körper ab. Das wiederum beeinträchtigt verschiedene Organe negativ und führt langfristig zu schweren Schäden. 

Bei jungen Kindern können erste Signale chronische Durchfälle sein, oft kombiniert mit einer Trübung der Linse, also dem grauen Star, im jugendlichen Alter. Hinzu kommen können Verzögerungen in der Entwicklung, Lernschwächen. Die Herausforderung ist, dass Symptome wie beispielsweise Durchfall sehr unspezifisch sind und auf alle möglichen alternativen Krankheiten hinweisen können. 

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Wie lässt sich die CTX nachweisen?

Cholestanol akkumuliert im Körper und Blut. Im Labor lässt sich der Cholestanol-Plasmaspiegel, also der Fettwert im Blut, mit einem sensitiven Test belegen. Wenn dieser stark erhöht ist, weist das auf CTX hin. Auch Gallenalkohole im Urin sind Indikatoren. Sicher geht man, in dem man die Mutation des Gens molekulargenetisch belegt. 

Was passiert, wenn der Arzt die CTX nicht behandelt?

Neben den erwähnten Symptomen bei Kindern können dann langfristig bei erwachsenen Patienten kognitive, neurologische oder psychiatrische Störungen als Folge einer Leukodystrophie (einer fortschreitenden Störung der weißen Hirnsubstanz) auftreten. Sie bauen geistig ab, leiden an einer Demenz im jungen Erwachsenenalter. Möglich sind auch frühzeitige Arterienverkalkungen, die zu Herzinfarkten im jungen Erwachsenenalter führen können. Aber auch diese Symptome bringt man nicht sofort mit einer CTX in Verbindung. 

Welche Möglichkeiten gibt es hinsichtlich der Therapie, und wie wirkt sie sich auf das Leben der Betroffenen aus?

Das ist die positive Nachricht: Im Gegensatz zu vielen anderen seltenen Erkrankungen des Stoffwechsels lässt sich die CTX behandeln. Ärzte ersetzen dafür die Gallensäure, die im Körper fehlt. So kommt der Stoffwechsel wieder positiv in Balance und Ärzte können so Symptome reduzieren beziehungsweise sogar unterbinden. So schreitet die Krankheit nicht fort und man erhält die Lebensqualität. 

Welche Rolle spielt der Kinderarzt, wenn es um eine frühe Diagnose geht?

Ob nun Haus- oder Kinderarzt—er muss die CTX überhaupt erst mal als möglichen Grund für die Symptome in Erwägung ziehen. Kinder, die unter Katarakten und Durchfällen unklarer Ursache leiden, sollten auf CTX untersucht werden, insbesondere, wenn sie leichte Entwicklungsverzögerungen zeigen. 

Durch die diffuse Symptomatik und gute Behandelbarkeit ist die CTX ein Kandidat für das Neugeborenenscreening in Deutschland. Hierfür werden Pilotstudien durchgeführt, die Daten zur Machbarkeit und Prävalenz liefern sollen.

Sie möchten mehr erfahren?

Weiterführende Informationen zu CTX finden Sie unter folgenden Links:

elaev.de/cerebrotendinoese-xanthomatose/ und www.se-atlas.de/list/Xanthomatose

Sie sind Arzt? Hier erfahren Sie mehr zu CTX: flexikon.doccheck.com

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