Home » Krankheitsbilder » Erbliche Netzhauterkrankungen: Ein Gentest kann Licht ins Dunkel der Diagnose bringen
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Fortschritte in der Zell- und Gentherapie können der Medizin neue Impulse geben. Gerade Patienten mit seltenen Erkrankungen könnten davon profitieren.

Wenn ein Gen fehlt oder defekt ist, kann das im Körper weitreichende Folgen haben. Zum Beispiel können wichtige Bausteine wie Enzyme nicht mehr hergestellt werden oder der Stoffwechsel funktioniert nicht mehr richtig. Diese veränderten Gene können Erkrankungen verursachen, die sich teilweise bereits im Kindesalter zeigen können. Mit einer Gentherapie werden nicht die nur Symptome behandelt, sondern der Ursprung der Erkrankung, indem ein oder mehrere mutierte Gene durch funktionierende Kopien unterdrückt, ersetzt oder verstärkt werden.

Erbliche Netzhauterkrankungen

Auch Erkrankungen der Netzhaut können auf einem Gendefekt beruhen. Rund 75.000 Menschen in Deutschland leiden an einer erblichen Netzhauterkrankung wie beispielsweise Retinitis pigmentosa oder Lebersche kongenitale Amaurose.1 Kennzeichnend dafür ist eine meist fortschreitende Zerstörung der Netzhaut. Dadurch können die Sehzellen ihre Funktion immer weniger ausüben und die Sehkraft verschlechtert sich zunehmend, nicht selten bis hin zur Erblindung.2,3,4,5

Die Betroffenen können Symptome wie Nachtblindheit, Einengung des Gesichtsfelds, vermindertes Farbsehen oder Minderung der Sehschärfe aufweisen. Aufgrund des Sehverlustes bestehen zunehmende Einschränkungen, was Folgen zum Beispiel für die Berufswahl und -ausübung, die Verrichtung alltäglicher Aufgaben und nicht zuletzt auch für die Familienplanung haben kann.6

Beispiel: Retinitis pigmentosa

Eines der häufigsten Krankheitsbilder bei erblichen Netzhauterkrankungen ist die Retinitis pigmentosa. Sie betrifft vor allem die „Stäbchen“ genannten Sinneszellen der Netzhaut. Die Stäbchen sind für die Lichtwahrnehmung und das periphere Sehen zuständig. Die Erkrankung führt daher zu Einschränkungen der Sehfähigkeit unter schwachem Licht, Schwierigkeiten beim Wechsel zwischen hellem Licht und Dämmerlicht bzw. Dunkelheit und einer zunehmenden Einengung des Gesichtsfeldes.

Einige Menschen sind schon als Kinder betroffen, während die Erkrankung bei anderen erst im Erwachsenenalter auftreten kann. Der Beginn der Erkrankung und die Geschwindigkeit ihres Fortschreitens können von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sein. In Deutschland sind schätzungsweise 30.000–40.000 Menschen an Retinitis pigmentosa erkrankt.4

Eine Retinitis pigmentosa kann von verschiedenen Genmutationen verursacht werden: Am häufigsten ist eine Mutation im RPGR-Gen, die bei 10–20 % aller Menschen mit Retinitis pigmentosa auftritt.5 Ebenfalls bedeutsam ist eine genetische Veränderung im RPE65-Gen, die bei rund 2 % der Betroffenen nachgewiesen werden kann. Bislang wurden über 100 verschiedene Gene mit verschiedenen Formen der Retinitis pigmentosa verknüpft.

Therapieoptionen für bestimmte Patientengruppen

Eine kleine Gruppe an Patienten kann bei einer bestimmten Genmutation für eine Therapie in Frage kommen. Ob ein Patient mit einer erblichen Netzhauterkrankung dafür geeignet ist, entscheidet der behandelnde Augenarzt. Patienten mit den typischen Symptomen einer erblichen Netzhauterkrankung sollten sich an ein spezialisiertes Zentrum für Augenheilkunde wenden.

Hier finden Sie ein spezialisiertes Zentrum in Ihrer Nähe.

Wichtige Voraussetzung: der Gentest

Um zu erfahren, ob tatsächlich ein behandelbarer Defekt vorliegt, wird ein Gentest durchgeführt. Erst dieser kann die Diagnose mit hoher Wahrscheinlichkeit sichern oder eingrenzen. Aber auch wenn eine therapeutische Option unwahrscheinlich ist, können Betroffene eine gendiagnostische Untersuchung durchführen lassen. Mit dem Gentest erhalten sie alle Informationen über die eigene Erkrankung, können sich in ein Register für spätere Behandlungsoptionen eintragen sowie gegebenenfalls an laufenden Studien teilnehmen.

Mehr Informationen unter: www.erbliche-netzhauterkrankungen.de.

Gentherapien zielen darauf ab, vererbte Erkrankungen zu behandeln oder deren Ausbruch zu verhindern. Dafür werden mittels sogenannter Vektoren korrekte Genkopien in die betroffenen Zellen geschleust. Sobald den Zellen wieder eine korrekte Genkopie zur Verfügung steht, können diese ihre normale Funktion wieder ausüben. Beispiel Auge: Mit einer einmaligen Anwendung wird das korrekte Gen beispielsweise direkt unter die Netzhaut eingebracht und hat das Potential, den Sehzyklus wieder zu aktivieren.

1 Hanany M et al. PNAS 2020; 17 (5) 2710 -2716. 
2 Kellner U, et al. Kin Monatsbl Augenheilkd 2012;229:173-196. 
3 Morimura H, et al. Proc Natl Acad Sci USA 1998;95:3088-3093. 
4 Astuti GD, et al. Eur J Hum Genet 2016;24:1071-1079. 
5 Kellner U, et al. Ophthalmologe 2004;101:307-320. 
6 Khan Z, et al. Adv Med 2016;2016:1–8.


Eine 2020 durchgeführte Umfrage unter 101 niedergelassenen und in Kliniken tätigen Augenärzten erfasste interessante Zusammenhänge zu Bekanntheit, Ansichten und Prozessen der Fachärzte zum Thema Gentestung bei erblichen Netzhauterkrankungen.

Diese sind sehr präsent im Praxisalltag – nahezu alle befragten Augenärzte haben bestätigt, Patienten mit Krankheitsbildern in diesem Indikationsbereich zu betreuen. Nach klinischen Untersuchungen zur Diagnose, die meistens in spezialisierten Zentren durchgeführt werden, sollte eine molekulargenetische Untersuchung erfolgen. Die Bedeutung eines solchen Gentests zur Bestimmung der genauen Ursache ist nahezu allen Augenärzten bekannt. Häufig wird eine Gentestung dennoch nicht durchgeführt, da hier noch beträchtlicher Informationsbedarf besteht.

Erbliche Netzhauterkrankungen jetzt oder in Zukunft mittels Gentherapie zu behandeln, sehen die meisten Augenärzte als chancenreich oder sogar bahnbrechend an.

Sie möchten mehr erfahren?

Komprimierte Informationen zu erblichen Netzhauterkrankungen finden Sie in dieser Patientenbroschüre.

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Krankheitsbilder

Jedes Jahr werden in Deutschland rund 80 Kinder mit einem Harnstoffzyklusdefekt geboren.

Nur die rechtzeitige Diagnose und Therapie eröffnet ihnen die Chance auf ein möglichst normales Leben.

Menschen, die von einem Harnstoffzyklusdefekt (UCD) betroffen sind, leiden an einer angeborenen, schwerwiegenden und lebensbedrohlichen Stoffwechselerkrankung der Leber. Die Erkrankung geht mit einem gestörten Eiweißabbau einher.

Durch den Mangel bestimmter Enzyme wird das toxische Zwischenprodukt Ammoniak nicht mehr ausreichend zu Harnstoff umgewandelt.  Dabei reichert sich das stickstoffhaltige Stoffwechselgift Ammoniak im Blut und Gewebe der Betroffenen an und verursacht vor allem Hirn- und Nervenschädigungen, die häufig zum Tod führen.

Symptome des Defekts

Schwere Erkrankungsverläufe resultieren vor allem aus Defekten der ersten drei Enzyme im Harnstoffzyklus. Grundsätzlich bestimmt das Ausmaß des Enzymmangels den Krankheitsverlauf. Abhängig vom Alter bei Erstmanifestation fallen die Symptome der Harnstoffzyklusdefekte unterschiedlich aus. Diese können sein:

Symptome im Säuglingsalter

Lethargie, Trinkschwäche, Erbrechen, Krampfanfälle, Koma innerhalb weniger Stunden.  

Symptome im Kleinkindalter:

gestörte Entwicklung, Nahrungsverweigerung, auffälliges Verhalten, Krampfanfälle, potenziell tödliches Koma.

Symptome bei Jugendlichen und Erwachsenen:

meist progredient verlaufende psychiatrische oder neurologische Symptome, Lethargie, Reizbarkeit, Verwirrtheit, Erbrechen, Kopfschmerzen, in schweren Fällen Exitus

Akuttherapie

Der Harnstoffzyklusdefekt ist durch wiederkehrende schwerste Stoffwechselentgleisungen gekennzeichnet, bei denen hohe Ammoniakspiegel im Blut auftreten. Wegen der hierbei eintretenden Hirnschädigungen müssen die Kinder intensivmedizinisch behandelt werden.

Ziel ist, die toxischen Ammoniakspiegel rasch zu senken. Dies gelingt durch:

• Blutwäsche (Dialyse) 

• sofortiger Stopp der Eiweißzufuhr

• Medikamentöse Reduktion des Ammoniak-Blutspiegels

Leberzell- und Langzeittherapie 

Routinebehandlung eines Harnstoffzyklusdefektes sind strikte diätetische und medikamentöse Maßnahmen, die möglichst lebenslang durchgeführt werden und von den Patienten beziehungsweise ihren Eltern ein hohes Maß an Disziplin erfordern. Die einzige kurative Therapie ist die Leberorgantransplantation, die jedoch in der Neugeborenen kaum möglich ist. Das Organ ist zu groß für den Organismus des Babys. Wenn die Kinder etwas älter sind, verläuft die Operation so gut wie bei Erwachsenen.

Die Zeit bis dahin muss jedoch überbrückt werden. Wichtig ist, dass der Ammoniak in dieser Zeit keine Spitzenwerte erreicht, mit Leberzellen wurden gute Erfahrungen gemacht. Dabei werden Neugeborene mit isolierten, gesunden Leberzellen behandelt. Diese führen den Harnstoffzyklus durch und verhindern, dass sich toxisches Ammoniak anreichert und Gehirn und Nerven schädigt. Das Kind soll so weniger Ammoniak-Krisen durchmachen, bis es alt genug für eine Lebertransplantation ist.

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