Home » krankheitsbilder » Rückblickend frage ich mich manchmal, wie das damals alles trotzdem irgendwie funktioniert hat
krankheitsbilder

Rückblickend frage ich mich manchmal, wie das damals alles trotzdem irgendwie funktioniert hat

Foto: igorstevanovic via Shutterstock
avatar

Sebastian Cassel

Betroffen von Non-24

Sebastian Cassel ist betroffen von Non-24. Im Gespräch erklärt er, wie er trotz der ungewöhnlichen Schlafprobleme durch seinen Alltag kam und nach der Diagnose zurück zur Normalität fand.

Herr Cassel, wie sah Ihr Leben vor der Feststellung von Non-24 aus?

Die Symptome der Schlafstörung haben bei mir im Zusammenhang mit meiner Erblindung  eingesetzt. Das liegt jetzt schon nunmehr gut 30 Jahre zurück. So lange ich sehen konnte, konnte ich mich abends ins Bett legen und bin schnell eingeschlafen. Mit meiner Erblindung haben sich dann die ersten Symptome gezeigt: ich wurde mitten in der Nacht gegen 2 oder 3 Uhr wach und konnte auch nicht mehr einschlafen. Die Tage, die folgten, waren entsprechend anstrengend für mich, da ich ein Schlafdefizit von mehreren Stunden hatte. Das ging dann in der Regel zwei, zweieinhalb Wochen so weiter, dann waren die Probleme wieder verschwunden.

Zum ernsten Problem wird eine solche Schlafstörung natürlich dann, wenn man morgens zu einer bestimmten Zeit einsatzbereit sein muss. Das war für mich besonders während des Studiums der Fall. Noch anstrengender wurde es während meiner Referendariatszeit und nach meinem Einstieg ins Berufsleben als Lehrer. Das war unglaublich anstrengend, weil ich all meine Kräfte mobilisieren musste, um den Tag zu überstehen. Zusätzlich war ich ständig begleitet von der Angst, dass mir unterwegs etwas passiert, weil die Konzentration einfach im Keller war. Das waren wirklich Grenzerfahrungen, die ich erlebt habe. Rückblickend frage ich mich manchmal, wie das damals alles trotzdem irgendwie funktioniert hat.

Wie haben denn die Menschen reagiert, mit denen Sie tagtäglich in Kontakt standen?

Jeder hatte natürlich gute Ratschläge parat, denn Einschlafstörungen hatte ja jeder schon mal. Ich habe dann auch alle Mittelchen, die es so gibt, ausprobiert: Warmes Bier, Hopfentee, autogenes Training, auch Schlaftabletten habe ich probiert. Ich war natürlich auch beim Arzt zum Check-Up, aber gebracht hat das alles nichts. Irgendwann habe ich aufgehört, darüber zu sprechen, weil ich ohnehin viel zu beschäftigt damit war, die anstrengenden Phasen zu überstehen.

Wann und wie wurde bei Ihnen die Diagnose Non-24 gestellt und wie ging es danach weiter?

Ich kann mich erinnern, dass ich über einen Artikel oder Podcast von Non-24 hörte und dachte: Das ist ja genau wie bei mir! Die Diagnose wurde in der schlafmedizinischen Ambulanz Marburg dann recht schnell gestellt, wo ich meine Schlafstörungen detailliert beschrieben habe. Nachdem dann noch weitere schlafmedizinische Untersuchungen durchgeführt wurden, war klar: die Symptomatik passt. Der erste Schritt war dann die Gabe von Melatonin, was schon zu ersten Verbesserungen geführt hat. Im nächsten Schritt wurde ich dann medikamentös weiter eingestellt, um meinen Schlaf-Rhythmus wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die Schlafstörungen wie ich sie bisher kannte sind seitdem nicht mehr aufgetreten. Wenn ich jetzt einmal nicht schlafen kann, dann ist das so, wie bei jedem anderen auch: weil mich etwas beschäftigt oder weil ich aus irgendwelchen Gründen aufgeregt bin. Aber mein Rhythmus ist wieder im Lot. Ich kann also wieder „ganz normale“ Schlafprobleme haben, wie jeder andere Mensch auch.

Nächster Artikel